Ein Neujahrskonzert mit dem Vokalensemble VOX NOSTRA und Gerhard Schieferstein (Orgel) am 01.01.2026
… alle Jahre wieder versuchen wir es wieder. Die Eigenmittel sind im Fluss, die Zeitzer Bürgerinnen und Bürger und viele wohlwollende Menschen von anderswo setzen sich für uns und unsere Orgel immer wieder mit Kraft, Engagement und Spenden ein. Erneut sind alle Förderanträge gestellt und damit das Projekt der komplexen Restaurierung der „Rühlmannorgel St. Michael Zeitz“ für ein „in die Tat – Kommen“ auch für 2026 auf den Weg gebracht. Hoffen wir auf den Zuschlag, der uns die Entscheidung des Bundes und des Landes, dass uns recht bald schon die entsprechend beantragten Mittel zu Teil werden und wir starten können!
Uns zu zeigen, gesehen werden zu können und neu in diesem Jahr starteten wir mit einem Konzert, das ganz hervorragend unsere Herkunft mit unserer (uns nicht vollständig sichtbaren) Zukunft verbindet. Das Besondere daran: die Vergegenwärtigung unserer eigenen Musikgeschichte!
Im Museum Zeitz – Schloss Moritzburg fand sich auf Grund des Verweises durch Rudolf Drößler (Chronik der Stadt Zeitz Band II / S. 134) im Archiv noch weniges mehr. Anlass damals war die Meinungsverschiedenheit (1228/29) der Gestaltung zum vorgesehenen Kontext: „Rom“ sollte über die Verfahrensweise mit den Horengesängen (Stundengebete) entscheiden. Wir befinden uns hier in einer Zeit, in der die Atmung das Maß und die Rhythmik des Gesanges vorgibt. Taktmaß wie heute war nicht vorgesehen wie auch die mehrstimmige Singweise in Gebeten noch nicht etabliert bzw. durch den Klerus angezweifelt. Die Frage ließ also die Weise in den Neumen notieren und nach Rom schicken – Glück für uns, denn dieses ist erhalten. Aus heutiger Sicht ist uns die Mehrstimmigkeit geläufig und hat die „alten Prinzipien“ integriert, wie auch später im Übergang von der Barock-Zeit mit ihren strengen Gesetzen der Harmonielehre zur Romantik einen wesentlichen Schritt bedeutete. Jetzt wurden auch Orgeln wie die unsere nach anderen klanglichen Vorstellungen gebaut, die wie die Entstehung großer Orchestermusik andere Ausdrucksmöglichkeiten hatte und erlaubte.
Die im Archiv entdeckten Gesänge aus dem Posaer Klosterleben (Kloster Bosau 14./15.Jh) sind auch heute noch denen, die es verstehen, umsetzbar. Wir hörten aus dem Respensorien „Viri sancti“, „Tradididerunt corpora“ sowie den im R. Drößler abgebildeten Vers „In omnem terram“ aus „Candidi facti sunt“ – einem Ostergebet. Ganz lieben Dank für Gesang und Erleben an Vox Nostra! Dazu erklang die in sakralen Räumen erst viel später zugelassene Orgel, die die Melodieführung aufzunehmen und vielstimmig wie ein ganzes Orchester umzusetzen und in die Moderne hineinzutragen vermochte. Ganz herzlichen Dank auch Ihnen – Herr Schieferstein – dafür, denn nur was vorgedacht ist, kann auch in die Tat kommen! Die Umsetzung war in sich vollkommen und führte zu sensitiv-emotionalem, nachhaltigem Eindruck im Publikum.
Lassen Sie uns zusammentun und gemeinsam wirken, dass wir uns zeigen und gesehen werden können in einem ereignisreichen und fruchtbringenden, segenreichen Jahr 2026!
Gaudeamus!
Zeitz, 01.01.26
Schriftführerin Förderverein Rühlmannorgel St. Michael Zeitz e.V.
Dr. Susanne Salzmann